
Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Oh, ganz viel wäre mir ohne das Internet nicht passiert. Aber diese Geschichte mag ich besonders gerne: Eine Leserin schrieb ihrer Cousine in Oxford, dass es da ein Mädchen in London gäbe, das genauso wie sie in England Politik studiert, muslimisch ist und aus Deutschland kommt. Mit ihr müsse sie sich unbedingt treffen. Daraufhin schrieb mir die besagte Cousine eine nette E-Mail, wir telefonierten, ich zeigte ihr London, sie mir Oxford, dann reisten wir gemeinsam nach Irland und wurden Freunde.
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In den Kommentaren ging es dann relativ schnell um das Kopftuch - eine interessante Diskussion. Irgendwann habe ich auch meinen Senf dazu gegeben.
Und der sah dann so aus:
http://www.taz.de/1/debatte/kolumnen/artikel/1/mein-kopf-gehoert-mir/ )
Hätte ja mal sein können, dass man einen Menschen in mir und meinem Blog sieht und nicht eine Kopftuchträgerin, die meint, sie sei frei, was sie ja aber eigentlich – wie wir alle nun wissen – gar nicht ist, weil ihr die Entscheidung, das Kopftuch zu tragen indirekt durch Eltern, Familie und Gesellschaft anerzogen wurde. Ja ja. So ist das.
@maria und alle anderen auch:
Genauso wie du dich anscheinend durch bestimmte Dinge angegriffen oder provoziert fühlst, fühle auch ich mich provoziert und verletzt: Von Menschen, die mich und mein Kopftuch bemitleidend ansehen, um dann erzürnt zu schimpfen, wenn ich wider Erwarten auf Deutsch und ohne Akzent erkläre, dass das Kopftuch meine eigene Entscheidung ist.
Wie sie mir mit jedem arrogant-herablassenden Satz eigentlich nur eines sagen wollen:
Du bist unmündig; die Entscheidungen, die du triffst, sind eigentlich gar nicht deine; du merkst gar nicht, dass du unterdrückt wirst; Wozu gab es die sexuelle Revolution? Wozu hat man und kämpft heute immernoch um Frauenemanzipation?; Man zwingt dich das Kopftuch zu tragen, du weißt es nur nicht.
Kurz: Du bist zu dumm, um zu merken, wie schlecht es dir geht.
Wem jetzt nicht vor Empörung und Wut der Mund schäumt, ist blind oder ignorant. Darf man so mit irgendeinem Menschen umgehen? Und warum tut es man ständig (wie ich es erlebe) mit kopftuchtragenden Frauen?
Ist etwa eine kopftuchtragende Frau weniger Mensch als eine, die keines trägt oder einen Minirock oder eine Hornbrille, dass man sich derartig das Recht nimmt, so über sie zu urteilen und meint, mit ihr so umspringen zu dürfen?
Mit welchem Recht wirft man mir all diese Dinge vor? Mit welchem Recht stellt sich dieser Mensch über mich und meint, mich belehren zu müssen? Mit welchem Recht werde ich wie eine Dumme behandelt, die nicht eigenständig denken kann?
Schade, dass ich das schreiben muss:
Ich bin nicht bescheuert.
Ich reflektiere mein Leben, meine Entscheidungen, meine Religion, meinen Alltag, meine Umgebung und meine Beziehungen. Schade, dass ich eine solche Selbstverständlichkeit schreiben muss.
Ich lese Bücher zu allen möglichen Themen und Theorien. Was ihr sagt und schreibt, ist mir nicht neu. Aber das ändert nichts daran, dass ich mein Kopftuch tragen möchte. Und auch werde. Schade, dass ich auch das schreiben muss. Schade, dass ich erwähnen muss, dass ich Bücher lese.
Und ich bin es müde, es wiederholen zu müssen. Das Kopftuch ist meine Entscheidung. Punkt. Ich habe es satt, dass sich Menschen anmaßen, meinen Verstand und meine Vernunft in Frage stellen zu müssen.
DAS finde ich diskriminierend. DArunter leide ich. Und es gibt keinen einzigen Grund auf dieser Welt, das solch ein Verhalten und solch eine Diskriminierung auf täglicher Basis rechtfertigt. Jeden Tag und überall meinen Verstand rechtfertigen zu müssen macht mich müde.
Ich fühle mich diskriminiert. Du fühlst dich diskriminiert, Maria. Aber ich sehe die Lösung nicht darin, dir dein Leben und deine Lebensweise zu verbieten oder sie als eine Gefahr für mein Lebensweise zu sehen. Oder auch nicht herablassend, orientalistisch und diskriminierend auf dich herabzuschauen. Ich verstehe dich. Ich verstehe deinen Ärger. Weil ich einen Menschen in dir sehe.



